In diesem Schuljahr 2009/2010 wird in der Gutenberg Grundschule zum ersten mal im Ruhrgebiet Schach als Pflichtschulfach für alle Zweitklässler ins Schulprogramm genommen.
Es gibt allerdings in Deutschland bereits Schulen, in denen Schach als Schulfach schon lange im Schulprogramm steht. Ein Beispiel dafür ist die Grundschule im Trierer Stadtteil Olewig. Seit vier Jahren haben dort alle Schüler eine Wochenstunde Schachunterricht.
Nach den schlechten Ergebnissen der ersten Pisa-Studie hatte das Kollegium überlegt, wie es die Schüler besser fördern könne. Man kam auf Schach und beschloss, dafür eine Stunde Mathematik pro Woche zu opfern. Um herauszufinden, ob der Schachunterricht etwas bewirkt, knüpfte die Schule Kontakte zur Universität Trier.
Die Wissenschaftler haben eine zweite Schule ausgesucht, in der kein verpflichtender Schachunterricht gegeben wurde. Zu vier verschiedenen Zeitpunkten verglichen die Wissenschaftler die Schüler der beiden Schulen. Sie fanden mehrere Unterschiede. Einer davon: die Schach-Kinder konnten sich besser konzentrieren.
Doch nicht nur die Konzentrationsfähigkeit der Schach spielenden Kinder stieg messbar an, sondern auch Ihre Intelligenz.
Sowohl bei der Konzentrationsfähigkeit als auch bei der Intelligenz stellte sich noch ein Ergebnis heraus, das so nicht unbedingt zu erwarten war: Schach, das ja als anspruchsvoll und elitär gilt, fördert die schwachen Schüler mehr als die starken.
Und noch ein drittes Merkmal wurde durch den Schach-Unterricht beeinflusst: Die Selbsteinschätzung der Kinder. Die Schachspieler schätzen sich selbst im Durchschnitt als motivierter und leistungsfähiger ein als die Nicht-Schachspieler.
Schach fördert nicht nur allgemeine Fähigkeiten wie Konzentration und Intelligenz, sondern auch die Fertigkeiten in zwei konkreten Schulfächern: in Deutsch und Mathematik. Das ist das Ergebnis der so genannten “Vera-Studie”. Vera ist die Abkürzung für «Vergleichsarbeiten». An dieser Untersuchung nahmen im Jahre 2006 alle vierten Grundschulklassen von fünf Bundesländern teil, unter ihnen auch die Schachkinder der Grundschule Olewig.
Obwohl die Schach-Schüler eine Stunde Mathematik weniger hatten als Ihre Altersgenossen, gehörte über die Hälfte von ihnen zum höchsten Mathe-Leistungsniveau etwa doppelt so viele wie im Landesdurchschnitt von Rheinland-Pfalz. Überraschenderweise waren die schachgeübten Viertklässler im Fach Deutsch sogar noch besser. Die Schüler haben gelernt, genauer hinzuschauen und dadurch erfassen sie Sinn und grammatikalische Zusammenhänge viel besser, ohne dass es gedrillt werden muss.
Schach fördert nicht nur das Denken, sondern auch die Persönlichkeitsentwicklung. Man hat im Schachspiel immer wieder die Chance, Erfolgserlebnisse zu haben und eben auch Misserfolgserlebnisse verarbeiten zu müssen. Schach, so haben es die Studien ergeben, fördert die Konzentrationsfähigkeit, die Intelligenz und die Leistungsmotivation. Es verbessert die Leistungen in Mathematik und Deutsch. Und es macht den meisten Kindern Spaß. Wäre es da nicht sinnvoll, Schachunterricht überall in Deutschland einzuführen?
Schach macht schlau, Schach macht Spaß, Schach ist spannend. Stimmt ja alles. Doch manchen Kindern gefällt das Fach aus einem ganz anderen Grund: Schach mögen sie schon gerne, weil da man keine Hausaufgaben aufkriegt.
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