Wer ist der Schachlehrer unserer Kinder und wie gestaltet er den Unterricht?

Ich komme aus dem Iran und bin Lehrer. Ich habe sofort nach einem Schachverein gesucht; als ich in Deutschland ankam. Babak SohrabyDas erste deutsche Wort, das ich gelernt habe, war "Schach". Zu dieser Zeit sprach ich kein Wort Deutsch.Deshalb bemühte ich mich, schnell die deutsche Sprache zu erlernen. Um diesem Ziel näher zu kommen und mein Wissen zu vermitteln, unterbreitete ich dem Schachverein den Vorschlag, Kinder zu unterrichten und ihnen das Schachspielen beizubringen. Durch den Unterricht im Schachverein verbesserte ich auch meine sprachlichen Fähigkeiten. Nach zweijähriger Arbeit mit den Kindern konnte ich mich sehr gut verständigen. Obwohl ich damals ohne Konzept mit den Kindern arbeitete, war die Tätigkeit so erfolgreich, dass der Schachverein mir vorschlug, den Übungsleiterschein zu erwerben. Im März 1991 absolvierte ich beim Schachbund NRW die erste Lizenz als Schachtrainer (Übungsleiter) erfolgreich. Ich hatte nun die Grundlagen, für Kinder und Jugendliche ein Konzept zu erarbeiten. Im Zuge der Konzepterstellung lernte ich das Arbeiten mit der EDV; ich benutzte den angeschafften PC, um einfache Übungen und Aufgaben für Kinder im Alter von 6 Jahren zu konzipieren. Diese Übungsblätter wurden im Laufe der Zeit immer professioneller.Im Schachverein stellte man fest, dass die dort schachspielenden Kinder pädagogisch sehr gut betreut wurden und man schlug mir vor, mein Wissen und meine Fähigkeiten zu nutzen, um an den Schulen in Dortmund zu arbeiten. Im Dezember 1993 habe ich meine 2. Lizenz als B-Trainer erworben. Das ursprüngliche Konzept wurde nun dauernd verbessert, so dass ich nun meine Blätter zu regel- und kindgerechten Schachheften weiterentwickelte. Ich bin in meiner Arbeit sehr geduldig und arbeite mit den Kindern gern und äußerst sorgfältig. Seit 1998 bin ich Referent zur Ausbildung der C-Trainer-Lehrgänge. 1994 begann ich wieder mit meiner Tätigkeit an den Dortmunder Grundschulen. Für diese Arbeit wurde ebenfalls ein Konzept entworfen, das den interessierten Kindern ein Ergebnis ihrer Leistung mit nach Hause gibt. So wird jedem Kind ein Schachheft für das entsprechende Schulhalbjahr ausgehändigt, in dem die jeweiligen Aufgaben dargestellt sind. Auf jeder Seite des Heftes ist ein Platz für eine Bewertung mit Datum reserviert. Die Bewertung erfolgt mittels besonderer Stempel; das Logo (Ehrenstempel). Die 45-minütige Unterrichtsstunde ist in drei Phasen (A-C) gegliedert.
In Phase A wird das Thema erklärt, in Phase B lösen die Kinder die Aufgaben und in Phase C spielen die Kinder Schach. Die Kinder kommen gern in den Unterricht und arbeiten immer sehr gut mit. Lehrer und Schulleitungen wurden auf die Qualität der Arbeit aufmerksam und unterstützten die Tätigkeit, die mittlerweile auf 14 Grundschulen, ein Gymnasium und einer Realschule ausgedehnt wurde.

Ich betreue so ca. 380 Kinder und Jugendliche an den Schulen und 25 Kinder im Schachverein Darüber hinaus organisiere ich Schachturniere mit beachtlichen Erfolgen.

Es gibt inzwischen auch eine Gruppe von ca. 10 Eltern, die an der Eichwald-Grundschule von mir unterrichtet werden. Hierzu gibt es eine lustige Anekdote:
Ein Schulleiter wurde vom Vater eines Schachkindes angesprochen, der wissen wollte, ob er auch an dem Schachunterricht teilnehmen könnte, da sein Sohn gegen ihn zu Hause gewonnen habe.

Ich habe seit dem 8.12.2000 die Deutsche Staatsbürgeschaft. Da ich politisch Verfolgter war, musste ich meine persische Staatsbürgerschaft behalten; somit besitze ich die doppelte Staatsbürgerschaft. Ich freue mich natürlich über die beiden Staatsbürgerschaften.


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